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Gitte Härter, Fachbuchautorin und Personalberaterin, behandelt in dieser Aufsatzreihe zentrale Fragen zum Themenbereich Bewerbung und Karriereplanung. Die Reihe wird fortlaufend ergänzt.
 


Folge 2. Stellenanzeigen: clever nutzen
 


Den Bewerbungsbriefen auf Anzeigen nach zu urteilen, werden Stellenanzeigen zu eindimensional gesehen.

Wenn Sie sich Bewerbungsschreiben einmal ansehen, gibt es in der Regel einen „Master-Brief": ein Seriendokument, bei dem lediglich die unterschiedlichen Firmenadressen und die Positionen eingesetzt werden. Der Rest des Anschreibens ist Standard. Wenn man Glück hat, wird noch individuell der in der Anzeige genannte Name eingesetzt, aber schon hier beschränken sich leider viele auf ein „Sehr geehrte Damen und Herren", auch wenn ein spezifischer Ansprechpartner genannt ist.

Was geben Stellenanzeigen noch her?

Sie kaufen sich am Samstag die Wochenendausgabe der Süddeutschen. Sie setzen sich mit einem Kaffee an den Frühstückstisch und überfliegen den Stellenmarkt. Bestimmte Anzeigen werden Ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und nur auf wenige werden Sie überhaupt reagieren wollen.

Bevor Sie sich jetzt hinsetzen und Ihr Seriendokument aufrufen, bleiben Sie noch am Tisch sitzen und holen sich was zu schreiben: reißen Sie die Anzeige raus, heften Sie sie an ein Blatt Papier und schreiben Sie erst mal genau auf, warum gerade diese Anzeige Sie anspricht. Arbeiten Sie mit dem Stellenmarkt! Unterstreichen Sie Schlüsselwörter. Nehmen Sie vielleicht zwei Farben. Unterstreichen Sie in einer Farbe, welche Worte und Formulierungen Ihnen wichtig sind. Und mit der anderen, welche Schlüsselwörter offensichtlich für diese Firma wichtig sind. Greifen Sie diese Wörter in Ihrer Bewerbung auf: benutzen Sie sie beiläufig und thematisieren Sie einige davon. Damit sprechen Sie von vornherein die gleiche Sprache wie das Unternehmen und stellen eine Gemeinsamkeit her.

Bitte immer authentisch bleiben! Suchen Sie sich die Worte, die Ihnen auch entsprechen und die Ihnen wichtig sind. Keine Show. Wenn Sie merken, dass Sie Schwierigkeiten haben, hier Gemeinsamkeiten herzustellen, bewerben Sie sich nicht bei diesem Unternehmen. Sie harmonieren dann nicht.

Heften Sie Ihr Blatt mit den Markierungen und mit Ihren Notizen, warum Sie speziell diese Anzeige anspricht, zu der Kopie Ihrer Bewerbung. Bewahren Sie Ihre Bewerbungsunterlagen so auf, dass Sie bei einem Anruf, Brief oder email des Unternehmens auf den ersten Griff Ihre Unterlagen vor sich haben. Wenn Sie sehr viele Bewerbungen verschickt haben, lohnt sich ein alphabetisch sortierter Ordner. So können Sie am Telefon direkt Ihre Bewerbung ansehen und vorbereitet und selbstsicher das Gespräch führen. Es gibt nichts Schlimmeres als eine enthusiastische Bewerbung, bei der der Bewerber schließlich nicht mehr weiß, für wen er so Feuer und Flamme war: „Welche Firma sind Sie nochmal?"

Ein Unternehmen überlegt sich immer auch genau, wie es in einer Stellenanzeige auftritt. Das gilt zumindest für die Inserate, die von Firmen direkt aufgegeben werden. Bei Stellenanzeigen, die über Unternehmensberatungen gehen, finden Sie immer das Corporate Design der Beratungsfirma.

Wie sind denn dann Inserate von Beratungsfirmen zu bewerten?

Achten Sie verstärkt auf den Inhalt der Anzeigen.

Finden Sie mehrere Anzeigen desselben Unternehmens in der gleichen Ausgabe der Zeitung, dann lesen Sie zwei-drei davon, auch wenn Sie die Stellen nicht interessieren, um festzustellen, ob die Beratungsfirma andere Worte wählt (was im Falle unterschiedlicher Unternehmen sein sollte). Steigen Sie dann auf diese Worte ein.

Sofern Sie identische Anzeigen haben, obwohl es sich um unterschiedliche Unternehmen handelt, steigen Sie auf den Inhalt „Ihrer" Stellenanzeige ein und versuchen gleichzeitig, auch speziell auf die Besonderheiten des Kunden bzw. dessen Branche einzugehen. So stellen Sie sicher, daß Sie aus der Flut der Bewerber positiv herausstechen werden.

Design der Anzeige

Sehen wir uns gemeinsam das Design von Anzeigen an. Bitte seien Sie vorsichtig mit den Schlüssen, die Sie ziehen. Wir wollen hier nicht wild spekulieren, sondern wirkungsvoll nutzen, was uns die Firma über sich erzählt.

Größe

Eine Stellenanzeige kostet viel Geld. In der Süddeutschen Zeitung ist der Millimeterpreis derzeit DM 16,60 plus MwSt. Das heißt, dass eine Viertelseite um die DM 17 000 netto kostet. Für eine Schaltung der Anzeige.

Was schließen Sie aus der Größe? Dass nicht jede Anzeige, die klein ist, bedeutet, dass ein unbedeutendes Unternehmen dahinter steckt. Es ist vielleicht eine Firma, die „nur" fünftausend Mark für eine Anzeige ausgeben möchte. Für das Geld einer Viertelseite kann ich auch dreimal eine kleinere Anzeige schalten. Auf der anderen Seite haben Firmen mit einem hohen Bekanntheitsgrad auch häufig gar keine Wahl. Oder wie würden Sie reagieren, wenn Microsoft, SIEMENS oder IBM plötzlich mit einem Fünfzeiler in Zentimetergröße inserierten.

Größe und Auftreten sind ebenfalls Bestandteil des Firmenimages, des Bildes, das ein Unternehmen nach außen trägt.

Und natürlich ist die Anzeigengröße immer eine Budgetfrage: Habe ich das Geld, das ich für die Stellenanzeige und –suche brauche, geplant oder ist es eine außerplanmäßige Ausgabe? Auch das spielt eine Rolle.

Farben und Bilder

Sind Farben in der Anzeige? Oder Bilder? Welche Bilder? Ich habe gerade den Stellenmarkt vom Wochenende 20./21. Februar der Süddeutschen vor mir. Seite an Seite sind hier zwei große, jeweils viertelseitige Anzeigen, jeweils mit Bild:

Die Firma Ploenzke Computer Sciences zeigt eine ihrer Beraterinnen: ihr Bild ist zweimal abgebildet, eine Abbildung abgesoftet, wo sie nach oben blickt und verschmitzt lächelt, das zweite Foto leicht über das andere gelegt: sie blickt zur Seite. Die Beraterin ist eine nette, junge, offen lächelnde Frau mit begeistert-glänzenden Augen. Das Bild signalisiert:

> die Frau ist begeistert (die Augen, das offene Lachen)

> sie liebt ihren Job (die Arbeit bei Ploenzke muss Spaß machen!)

> durch die verschiedenen Blickwinkel wirkt das Layout peppig, witzig, flexibel

Wir sehen uns die begleitenden Headlines im unteren Abschnitt „Inhalt" noch an.

> diese Frau (und damit das Unternehmen) blickt in die Zukunft, sieht etwas, das der Betrachter nicht sieht (sie schaut nie direkt in die Kamera, sondern nach oben und zur Seite „aus dem Bild raus")

Rechts daneben ist eine Anzeige von SIEMENS/Elektromechanische Komponenten.

Das Bild dieser Anzeige zeigt eine Meeting-Situation. Es sind eine Frau und drei Männer in einer Diskussion. Ein Laptop steht auf dem Tisch. Der Hintergrund ist schlecht zu erkennen, sieht aber aus wie eine Computerplatine. Die Menschen sind verschiedener Nationalität.

Dieses Bild sagt aus:

> wir nehmen unsere Arbeit ernst (keiner lacht auf dem Bild, es ist eine ernste Besprechung)

> wir arbeiten im Team (die Leute sind einander zugewandt, gehen aufeinander ein)

> bei uns haben auch Frauen eine Chance (die Frau spielt eine aktive Rolle, sie gestikuliert und ist in die Gruppe fest integriert)

> wir arbeiten international (verschiedene Nationalitäten)

> wir lösen technische/elektronische Probleme (die Personen verbunden mit Laptop und Platine)

Auch hier ist interessant, wie Layout und Headline verbunden werden.

Schrift/Anordnung der Schrift

Achten Sie auf Art und Stil der Schrift – diese sind nicht zufällig gewählt. Ist es eine klare, „steife" Schrift ohne Schnörkel? Ist sie eckig oder rund? Wurden verschiedene Stile (fett, kursiv, unterstrichen) benutzt? Ist die Schrift in „geordneten Bahnen" organisiert oder stehen die Wörter kreuz und quer?

Auch hier wieder ein schöner Gegensatz bei unseren beiden Inseraten:

Die Ploenzke-Anzeige spielt mit der Headline: Über den Bildern unserer Beraterin steht die Headline „Übertreffen Sie Ihre eigenen Erwartungen ... als Branchenberater/innen Banken und Versicherungen". Die Worte sind in verschiedenen Zeilen und Größen angeordnet, wobei das Wort Erwartungen in Großbuchstaben und fett gedruckt ist, definitiv ein eye catcher. Unter dem Bild steht etwas kleiner und in Fettdruck „Wir machen unsere Kunden erfolgreicher". Dann folgt in kleinerer Schrift der sonstige Anzeigentext.

Neben den Fotos steht in hellem Grau und senkrecht verlaufend die web-Adresse von Ploenzke. Sie werden dazu eingeladen, sich das Unternehmen im Internet anzusehen.

Unter den Bildern erfahren wir den Namen der Beraterin und seit wann sie bei der Firma ist.

Bei der SIEMENS-Anzeige ist die Headline, die Sie neben dem Meeting-Bild sehen: „Innovative Lösungen und alle Zahlen fest im Griff". Die Schrift ist klar, ohne Schnörkel und steht fest als Überschrift da. Keine Spielereien im Layout.

Der eye catcher bei dieser Anzeige ist das Wort SIEMENS, das an prominenter Stelle über dem Foto steht und durch die freie Fläche rechts betont wird. Unterhalb des Bildes erfahren wir, kleingedruckt, was der Bereich Elektromechanische Komponenten genau macht.

Unter der Headline geht es dann direkt in die gesuchten Positionen, die ebenfalls – wie das Wort SIEMENS – in blau gehalten sind.

Vergessen Sie einen Moment den Inhalt der Headlines:

Bei Ploenzke ist das Design der Anzeige verspielt. Locker. Auf die Person konzentriert.

Bei SIEMENS ist das Design seriös. Ernst. Auf die Sache konzentriert.

Sie sehen alleine aus dieser Tatsache schon, wo die Betonung der Unternehmen liegt.

Natürlich haben Sie nie eine Garantie, deshalb habe ich eingangs schon darauf hingewiesen, dass ich Ihnen die weiteren Dimensionen von Stellenanzeigen verdeutlichen möchte, dass Sie auf alle Details achten sollten – und dann Ihre Schlüsse ziehen. Ob die Anzeige eines Unternehmens hält, was sie verspricht, ist eine andere Sache.

Dass sich eine Firma jedoch genau überlegt, WIE sie nach außen auftritt, ist sicher.

Sehen Sie, dass Sie auf diese beiden Inserate nicht das gleiche Anschreiben schicken sollten, wenn Sie ans Ziel kommen möchten? – Die einen setzen den Schwerpunkt auf die Person, die anderen auf die Sache. Die einen haben einen beweglichen Ansatz, die anderen einen eher steifen.

Ich werte nicht, was besser oder schlechter ist. Nur, Sie müssen sich entscheiden, bei welcher Art von Unternehmen Sie sich bewerben möchten. Was Ihnen mehr liegt. Was zu Ihnen mehr passt. Wo Sie sich wohler fühlen werden.

Der Inhalt: auf Worte achten

Am aussagekräftigsten und spannendsten sind natürlich die Worte. Schauen wir uns erst die Headlines an:

„Übertreffen Sie Ihre eigenen Erwartungen ... als Branchenberater/innen Banken und Versicherungen"

„Innovative Lösungen und alle Zahlen fest im Griff"

Ploenzke erzählt Ihnen in der Headline alles Wesentliche:

    wir fordern („übertreffen Sie")

    Sie können Ihre Ziele bei uns verwirklichen („Ihre eigenen Erwartungen")

    um welche Stelle geht es (Branchenberater/innen Banken und Versicherungen)

SIEMENS sagt klar, was das Wichtigste für sie ist:

    wir sind zukunftsorientiert, flexibel und ideenreich („innovative Lösungen")

    wir achten darauf, dass das Ergebnis stimmt („alle Zahlen")

    wir sind die Könner („fest im Griff")

Der Fließtext der Anzeigen.

Ich verzichte darauf, Ihnen den gesamten Inhalt wiederzugeben, sondern beschränke mich auf die wichtigsten Punkte.

Ploenzke mischt „Sie und wir" – im Text wird abwechselnd erzählt, was die Firma macht, was die Aufgabe darstellt, wer die Kunden sind.

SIEMENS trennt deutlicher: an diesem Platz geht es nur um SIEMENS. Am anderen geht es nur um die Position und den Bewerber.

Als Schlüssel-Inhalte sehen wir uns den Absatz an, bei dem der Bewerber aktiv angesprochen wird:

bei Ploenzke:

Wollen Sie Ihre Karriere bei uns fortsetzen und in einem erfolgreichen Team arbeiten?

bei SIEMENS:

Passt eines dieser Aufgaben- und Anforderungsprofile auf Sie? Sind Sie interessiert, sich beruflich neu zu positionieren? Reizt Sie eine neue Herausforderung in einem sich dynamisch entwickelnden Geschäftsfeld?

Beide Unternehmen möchten ihre offenen Stellen mit den passenden Personen besetzen.

Während Ploenzke Ihnen persönlich die Fortsetzung Ihrer Karriere und Erfolg verspricht, gleichzeitig aber auch noch einmal betont, dass dieser Erfolg im gesamten Team kreiert wird, ist bei SIEMENS der Ansatz, dass Sie gefordert werden, dass Sie in ein Umfeld kommen, das sich dynamisch weiterentwickelt.

Auch hier wieder die Ansprache > Mensch > Sache, die oben bereits deutlich wurde.

So also können Sie Stellenanzeigen aktiv nutzen!

Ich habe diese beiden Beispiele – von Ploenzke und SIEMENS nicht gesucht, sondern einfach die erste Seite, die ich aufgeschlagen hatte, kommentiert.

Machen Sie es ebenso. Die Zeit, sich etwas mehr in Stil und Sprache von Anzeigen zu vertiefen, lohnt sich! Achten Sie auf die Schwerpunkte, die das Unternehmen setzt. Ist das der Stil, den SIE möchten? Den Sie sich von einem Unternehmen erwarten.

So haben Sie ein wichtiges Werkzeug, das Ihnen vorab als Filter dient.

und jetzt den richtigen Ton treffen!

Bei der schriftlichen Bewerbung wissen Sie nun auch, welchen Ton Sie anschlagen müssen, damit das Unternehmen aufhorcht. Denn diese suchen ja Bewerber, die zu ihnen passen.

Ein Unternehmen wie Ploenzke, das sehr den Menschen in den Vordergrund stellt, wird wahrscheinlich positiver auf ein Schreiben reagieren, das ihr eigenes Bild vom Mitarbeiter widerspiegelt – ebenso natürlich SIEMENS.

Ploenzke möchte hören, dass Sie Karriere innerhalb der neuen Firma machen möchten. Dass Sie das aber tun möchten, indem Sie auf den Kunden schauen, sich ins erfolgreiche Team integrieren ...

Siemens möchte in erster Linie wissen, ob die fachlichen Qualifikationen und Anforderungen auch alle passen, dass Sie lösungsorientiert sind – aber einen sehr hohen Sinn für Zahlen haben ...

Wir kommen alle gut aus mit Menschen, die auf unserer Wellenlänge sind.

Auch bei Bewerbungen ist dies der Fall.

Das Unternehmen gibt Ihnen mit der Stellenanzeige eine Richtung an, welche Wellenlänge es hat. Zeigen Sie bei Ihrer Bewerbung, dass Sie die gleiche haben. Und die Einladung ist Ihnen so gut wie sicher!

Sie sehen: Eine Stellenanzeige verrät Ihnen sehr viel mehr über ein Unternehmen als nur, welche Stelle gerade zu besetzen ist. Nutzen Sie dieses wirkungsvolle Werkzeug!

Artikelübersicht:

Wege zumTraumjob
Stellenanzeigen
schriftl. Bewerbung
formelle Fehler
Selbstmarketing
Lebenslauf
Online-Bewerbung
Bewerbungsberater
Worthülsen
Bewerbungsfoto
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Bewerbungsgespräch
 


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Die Veröffentlichung der Reihe “Bewerbung / Karriereplanung” erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Gitte Härter/objektiv. Für ein professionelles Bewerbungscoaching durch die Autorin besuchen Sie bitte die website von objektiv.

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